15.12.15

Jordan wächst in der Schweiz und Südtirol

Der Kasseler Holz- und Bodenbelagsgroßhändler legt stärker zu als die Branche.

cpm. KASSEL, 14. Dezember. Der familiengeführte Großhändler für Holz und Bodenbeläge, die W. & L. Jordan GmbH mit Sitz in Kassel, wächst weiterhin gegen den Branchentrend und expandiert nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in der Schweiz und Südtirol. Das Familienunternehmen dürfte den Umsatz in diesem Jahr nach gegenwärtiger Schätzung gegenüber 2014 um 5 Prozent auf 340 Millionen Euro steigern. Davon entfielen 270 Millionen Euro auf Bodenbeläge, 60 Millionen Euro auf den Holzhandel und 10 Millionen Euro auf Wohntextilien. Etwa 10 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete Jordan im Ausland. Auch für das kommende Jahr erwartet Jordan eine Umsatzsteigerung von etwa 5 Prozent. Das Unternehmen wächst seit Jahren gegen den Trend in der Branche. Es steigerte den Umsatz stetig von 28 Millionen Euro im Jahr der Wiedervereinigung 1990 über 98 Millionen Euro im Jahr 2000 und 247 Millionen Euro im Jahr 2010.

Jordan ist mit einem lokalen Umsatz von etwa 250 Millionen Euro der größte Fußbodenfachgroßhändler in Deutschland. "Wir sehen uns aber nicht nur als Großhändler, sondern immer mehr als Markenanbieter", sagte Geschäftsführer Jörg Jordan, "denn mit etwa 70 Prozent der von uns verkauften Bodenbeläge als Marke Joka, die für Jordan Kassel steht, ist diese vermutlich die bedeutendste Marke für Bodenbeläge in Deutschland." Den Gesamtmarkt für Bodenbeläge schätzte Jordan in Deutschland auf 2,5 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa je eine Milliarde auf den Fachhandel, bei dem Parkettleger und Innenraumgestalter kauften, sowie auf den Heimwerkermarkt. Etwa 0,5 Milliarden Euro des Fußbodenmarktes seien der Branche des Holzhandels zuzurechnen. Die Bodenbelagssparte von Jordan sei 2015 um etwa 6 Prozent gewachsen und der Umsatz in der Branche des Fußbodenfachgroßhandels mit Jordan um 1,3 Prozent, hieß es in Kassel. Ohne Jordan sei der Umsatz der Branche um 1,2 Prozent zurückgegangen.

Jordan beschrieb den Start ins Jahr 2015 für den Handel mit Bodenbelägen als verhalten. Die Nachfrage habe aber im Jahresverlauf zugenommen und sei zum Jahresende um mehr als zehn Prozent gewachsen. Die gesunde Wirtschaftslage, das niedrige Zinsniveau und die Renovationszyklen aus dem Bauboom der 1990er Jahre ließen die Nachfrage steigen. Während textile Bodenbeläge weiterhin unter Druck seien, seien Holzböden, vor allem Eichendekore, beliebt. Die Nachfrage nach luxuriösen Vinylböden wachse sogar stark.

Im Holzhandel - zum Beispiel mit Türen und Holzplatten - steigerte Jordan den Umsatz 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent. Die gesamte Branche steigerte den Umsatz bis zum Oktober dagegen nur um 0,9 Prozent. Den Bau von Holzhäusern sieht Jordan in Deutschland fest etabliert. In Bayern entstehe schon ein Viertel der neuen Ein- und Zweifamilienhäuser in dieser Bauweise. Der Holzbau sei nicht billig, aber trocken und schnell in der Bauphase, gut dämmend und binde Kohlendioxid. Die Bauweise helfe, die Klimaziele zu erreichen. Gemeinsam mit einem langjährigen Partner stellt Jordan ein Konzepthaus in modularer Holzbauweise vor, dessen Errichtung angesichts der Wohnraumnachfrage in Ballungsräumen, an Hochschulorten und durch die Zuwanderung auf ökonomische und ökologische Weise den Wohnraummangel rasch beheben könne. Die Module seien den herkömmlichen Wohncontainern überlegen.

Die Zahl der Niederlassungsstandorte bezifferte Jordan mit 65, davon elf im Ausland. 2016 übernimmt Jordan in der Schweiz die Licorda AG mit drei Standorten und baut die Beteiligung am Bodenbelagsgroßhandel Britex im Südtiroler Brixen aus. In Deutschland wird Jordan Neubauten in Freiburg und Würzburg eröffnen. Aus Elsaß-Lothringen hat sich das Familienunternehmen indes zurückgezogen und die dortige Niederlassung an ein befreundetes Unternehmen übergeben. Das französische Arbeitsrecht, begründete Geschäftsführer Jörg Jordan gegenüber dieser Zeitung den Rückzug, sei aus der Sicht eines deutschen Unternehmens "eine Katastrophe". Die Zahl der Mitarbeiter in der Jordan-Gruppe wuchs 2015 um knapp hundert auf nahezu 1200, darunter 89 Auszubildende im Betrieb und im dualen Studium. Jordan sagt, sein Unternehmen habe keine Mühen, Auszubildende zu gewinnen. Die Ausbildungsquote solle mittelfristig auf zehn Prozent steigen.

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